Omikron BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 – Was über die neuen Corona-Varianten bekannt ist

Seit Mitte April breitet sich in den USA ein neuer Corona-Subtypus aus: Omikron BA.2.12.1 (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Edna Leshowitz)

Die Omikronwelle war in Deutschland ein Doppelschlag, erst kam BA.1, dann BA.2. Jetzt gehen die Infektionszahlen deutlich zurück. Doch das Coronavirus verändert sich immer weiter und spaltet sich auf. Die meisten Änderungen führen in Sackgassen. Nun sind in den USA und Südafrika neue Spielarten von Omikron aufgetreten. Sie stellen Untervarianten von Omikron BA.2. dar – und breiten sich noch schneller aus.

Bei BA.2.12.1 handelt es sich um eine Untervariante von BA.2., die sich etwa 25 Prozent schneller ausbreitet als BA.2.. Im April in New York beschrieben, ist BA.2.12.1 inzwischen für rund ein Drittel der Corona-Infektionen in den USA verantwortlich, und wird voraussichtlich bald im ganzen Land vorherrschen. Zudem steigen die Infektionszahlen in den USA seit April wieder an, wenn auch nicht so steil wie in der Winterwelle.

In Südafrika wird besonders viel sequenziert, deshalb fallen neue Entwicklungen dort auch schnell auf. Im Dezember gab es dort eine Omikron BA.1-Welle, die längst abgeebbt ist. Mitte April kam es in den Provinzen Gauteng und KwaZulu-Natal erneut zu einem leichten Anstieg.

Ein Team um Tulio de Oliveira von der Stellenbosch Universität hat herausgefunden, dass neue Omikron-Varianten, genannt BA.4 und BA.5, in Umlauf sind. Diese breiten sich schneller aus als BA.1, nämlich um acht beziehungsweise zwölf Prozent. Das entspricht etwa dem Vorteil, den auch BA.2. gegenüber BA.1 hat.

Der Grund sind vermutlich Veränderungen im Spikeprotein von BA.2.12.1, BA.4 und 5. Die neuen Omikronsubvarianten können dadurch dem bestehenden Immunschutz ausweichen. Das zeigt das Labor von Alex Sigal in Durban anhand von Blutseren von geimpften Personen und nach einer BA.1-Infektion Genesenen.

Inzwischen gibt es zudem weitere Ergebnisse aus Peking: Mit chinesischen Impfstoffen geboosterte Personen sind wohl nicht vollständig vor einer Infektion mit BA.4 oder 5 geschützt. Das gilt auch für BA.2.12.1.

Alle neuen Omikron-Spielarten sind weniger gefährlich als etwa Delta. Die Infektionszahlen im südafrikanischen Gauteng und Kwa-Zulu-Natal scheinen bereits wieder zu fallen. Es kam zu einem nur leichten Anstieg bei der Belegung der Intensivstationen und bei der Übersterblichkeit.

Dafür gibt es zwei Erklärungen. Erstens hat das Ausweichen gegenüber der bestehenden Immunantwort einen Preis. Nach den Daten aus Peking binden BA.4 und 5 weniger gut an ihre Eintrittspforte in die Zellen, also an ACE2.

Zweitens spielt nicht nur das Virus selbst, sondern auch die Pandemievorgeschichte einer Bevölkerung eine Rolle. Deshalb breiten sich die Virenvarianten inzwischen nicht mehr automatisch global aus. In Südafrika haben sich sehr viele Menschen bereits in früheren Wellen infiziert. Sie sind dadurch offenbar vor schweren Verläufen geschützt, auch wenn sie sich mit den neuen Subvarianten von Omikron vielleicht anstecken.

Ob eine vorige Infektion mit BA.2 schützt, der in Deutschland verbreiteten Variante, ist unklar. Insgesamt wird die Impfstoff-Anpassung durch die Entstehung immer neuer Omikron-Varianten schwieriger als erwartet. Ein Schutz vor Infektionen ist wohl kaum zu erreichen.

Nach den letzten Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurde BA.4 in Deutschland noch gar nicht nachgewiesen, BA.5 nur sehr vereinzelt. Wie es bei BA.2.12.1 aussieht, lässt sich schwerer beurteilen, weil diese Variante sich in den USA vor einem ähnlichen Hintergrund wie in Deutschland ausbreitet.

Der Virologe Christian Drosten und der Infektiologe Leif-Erik Sander sind beide der Meinung, dass die neuen Subvarianten vorerst kaum Probleme bereiten werden, denn sie ähneln BA.2. Dieses Virus hat in Südafrika keine Rolle gespielt, während es bei uns deutlich in Umlauf war. Das könnte die Verbreitung von BA.4 und 5 in Deutschland erschweren.

Für den Herbst rechnen Virologen auch aufgrund sinkender Antikörperspiegel mit einem Anstieg der Infektionen. Wenn das Virus keine ganz neuen Wege einschlägt, wird der Schutz vor schweren Verläufen vermutlich weiter halten.

Quelle: Volkart Wildermuth

Reference-www.deutschlandfunk.de

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