Corona-Impfung – Studien zur Wirksamkeit werden immer schwieriger

Ein Kind erhält den Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. (SVEN SIMON)

Wie schnell schwindet der Immunschutz nach einer Coronaimpfung? Von der Antwort auf diese Frage hängt ab, wann eine Booster-Impfung notwendig ist – oder womöglich sogar eine zweite. Weil das Infektionsgeschehen so dynamisch ist, tun sich Mediziner und Virologen allerdings immer schwerer, diese Frage zu beantworten. Die Gründe dafür lassen sich anhand einer Studie verdeutlichen, auf die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Samstag in einem Tweet hinwies: „Studie zeigt, dass der Schutz vor Krankenhaus-Einweisung mit Omicron bereits 3 Monate nach dem Booster nachlässt.“

Auf welche Studie bezieht sich Karl Lauterbach?

Die Studie ist in der renommierten Medizin-Zeitschrift “The Lancet” erschienen. Die Autoren haben Daten der Krankenkasse Kaiser Permanente ausgewertet – eine der ganz großen in den USA. Demnach schützt eine Booster-Impfung Erwachsene zu 85 Prozent vor einer Krankenhauseinweisung aufgrund einer Omikron-Infektion. Doch schon ein Vierteljahr später liegt der Schutz nur noch bei 55%. Die Autorinnen und Autoren folgern daraus zweierlei. Erstens: Der Booster wirkt gegen Omikron. Zweitens: Die Wirkung ist zeitlich begrenzt.

Nur noch 55 Prozent Schutz nach einem Vierteljahr: Sind diese Zahlen belastbar?

Die Methodik der Studie ist an sich in Ordnung und sinnvoll. Dass es dennoch Kritik daran gibt, liegt an Problemen im Umfeld. So wurden zwar über 10.000 Krankheitsfälle untersucht, aber letztlich waren nur 134 Krankenhauseinweisungen von Geboosterten mit einer Omikron-Infektion darunter – einfach, weil die Zahl der Geboosterten in den USA noch nicht so hoch ist. Es gibt eine große Unsicherheit, deshalb rufen die Autorinnen und Autoren zu weiteren Studien auf. Die sind aber nicht so einfach, wie zu Beginn der Impfkampagne. Da konnte man einfach Geimpfte und Ungeimpfte vergleichen. Inzwischen haben sich aber in den Delta- und Omikronwellen sehr viele Personen infiziert. Deshalb sind die Ungeimpften im Schnitt ebenfalls etwas geschützt – und das führt zu einem scheinbaren Absinken der Impfwirkung. Die statistischen Berechnungen werden immer schwerer. In der Diskussion über die Studie bei Twitter wurde auf Zahlen aus Singapur hingewiesen, die sehr umfassend die Folgen der Infektion dokumentieren. Und da sieht man, dass der Booster 90 Prozent der schweren Verläufe verhindert. Also Beatmung, Intensivstation oder Tod.

Was verrät die US-Studie über den Nutzen einer zweiten Booster-Impfung?

Erst einmal ist Vorsicht geboten: Die Studie wurde von Pfizer gesponsort und das Unternehmen verdient zusammen mit BioNTech an der vierten Impfung. Ob diese aber den Immunschutz tatsächlich relevant anhebt, sei unklar, sagt Andreas Radbruch, Direktor des Deutschen Rheuma Forschungszentrums in Berlin. Beim Science Media Center haben Radbruch und andere Experten gesagt, dass der erste Booster für die meisten Menschen für viele Monate ausreicht. Sie verweisen auf die ursprüngliche SARS-Epidemie: Da finden sich auch nach 17 Jahren ausreichend Gedächtniszellen im Blut für einen guten Schutz vor schweren Verläufen.

Es gibt aber Ausnahmen: Die amerikanischen Centers for Disease Control haben ihre Daten separat für Menschen mit Immunproblemen analysiert. Da stellte sich heraus: In dieser Gruppe sank der Impfschutz tatsächlich schnell ab, bei allen anderen dagegen war er ziemlich stabil.

Das Fazit all dieser Daten: Erstens wird es immer schwerer, die Impfwirkung auch wirklich exakt zu benennen. Zweitens ist aber klar, dass man mit Booster-Impfung viel besser vor schweren Verläufen geschützt ist, als ohne. Und alle Experten und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die Stiko sind sich einig, dass eine vierte Impfung vorerst nur für Alte und Menschen mit geschwächtem Immunsystem notwendig ist.

Reference-www.deutschlandfunk.de

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