Neue Corona-Mutanten – HIV begünstigt Entstehung neuer Virusvarianten

HI-Viren schwächen dass Immunsystem von Infizierten so stark, dass das Coronavirus monatelang in ihrem Körper überleben und mutieren kann. (imago | Science Photo Library)

Das Labor von Tongai Maponga befindet sich an der Universität Stellenbosch in Südafrika. Als der Virologe dort im September 2021 die positive Coronaprobe einer HIV-Patientin sequenzierte, fiel ihm auf, dass es sich nicht um die damals vorherrschende Delta-Variante handelte, sondern um die eigentlich schon lange verdrängte Beta-Variante von SARS-CoV-2. Die Patientin war zuvor schon einmal positiv getestet worden. Maponga suchte deshalb nach der alten Probe, und fand sie. Die Analyse des darin enthaltenen Virus-Erbguts lieferte ein überraschendes Ergebnis: „Diese erste Probe wurde sequenziert und es stellte sich heraus, dass es sich noch immer um dasselbe Virus handelte, dieses aber über die mindestens neun Monate, die die Patientin damit infiziert war, mutiert war.“

Das Virus überlebte monatelang im Körper der Patientin – und mutierte dabei

Viren duplizieren sich ständig und verändern sich dabei jedes Mal ein wenig. Je schwächer das Immunsystem, desto schlechter kann es das Coronavirus bekämpfen. Umso länger verbleibt es im Körper und hat damit beste Chancen, ernsthaft zu mutieren, erklärt Tongai Maponga: “Durch eine Reihe unglücklicher Umstände hatte diese Patientin ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen können. Wenn eine HIV-Infektion nicht richtig behandelt wird, schwächt das das Immunsystem. Und genau das war hier passiert.“ Ausgerechnet die harten Lockdowns, die eine Verbreitung des Coronavirus in Südafrika verhindern sollten, dürften zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Geschwächte Immunsysteme können das Virus nicht effektiv bekämpfen

Während des Lockdowns kamen viele HIV-Patienten nicht an die nötigen Medikamente, erkärt Maureen Githuka. Die Medizinerin arbeitet in einer Klinik der German Doctors in einem Slum von Nairobi: “Derzeit kümmern wir uns um 3008 Patienten. Manchmal können wir nicht alle von ihnen lückenlos betreuen. Vor allem während der Covid-Hochzeit war das sehr schwierig.“ Githuka ist dafür verantwortlich, dass alle HIV-Patienten regelmäßig ihre Medikamente erhalten. Das ist schon unter normalen Umständen schwierig. Aber als es während der Lockdowns in der Hauptstadt keine Arbeit mehr gab und die Leute in ihre Dörfer zurückkehrten, wurde es ungleich komplizierter: “Unser Team hat alle Patienten angerufen, um herauszufinden, wo sie sind, und recherchiert, wo die nächste Gesundheitsstation ist. Dann haben wir die Patienten dorthin überwiesen, so dass sie weiter behandelt werden konnten.“

Während der Lockdowns kamen vielen Patienten nicht an ihre Medikamente

Als durch Spenden finanzierte Organisation hatten die German Doctors die notwendigen Ressourcen, um die Versorgung ihrer HIV-Patienten sicherzustellen. Doch im hoffnungslos unterfinanzierten staatlichen Gesundheitssystem gingen viele Patienten verloren, sagt Maureen Githuka: “Es gab einen großen Bericht darüber, dass die Einrichtungen den Kontakt zu den Patienten verloren haben. So viele verschwundene Patienten gab es noch nie. Sie konnten einfach nicht gefunden werden.“ 

Ähnliches hat Tongai Maponga auch in anderen Ländern Afrikas beobachtet. Für den Virologen ist die mangelnde Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssektors eine Gefahr weit über Afrika hinaus: “Wenn wir Mutationen des Coronavirus verhindern wollen, müssen wir sicherstellen, dass HIV diagnostiziert und behandelt wird. Wenn sich durch geschwächte Immunsysteme besorgniserregende Varianten entwickeln, breiten sie sich aus und erreichen auch reiche Länder. Deshalb braucht es mehr Unterstützung.“

Das öffentliche Gesundheitssystem muss gestärkt werden

Es muss nicht unbedingt eine HIV-Infektion sein, die das Immunsystem schwächt und dadurch Mutationen begünstigt. Beobachtungen aus Europa zeigen, dass auch andere Erkrankungen des Autoimmunsystems diesen Effekt haben könnten. Auch aus Großbritannien und Portugal gebe es Berichte von chronisch kranken Patienten, die das Virus nicht loswerden, sagt Tongai Mapongo und fordert deshalb: “Wir müssen gezielt erforschen, was sich da im Körper von Menschen mit schwachem Immunsystem abspielt.“ 

Es bräuchte ein internationales Forschungsprojekt, um das zu ergründen. Bislang gibt es das nicht. Aber immerhin ein Netzwerk, in dem sich Wissenschaftler aus aller Welt über den Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und dem Auftreten neuer Virusmutationen austauschen.

Reference-www.deutschlandfunk.de

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